Karlova stezka/Karlsoute
German Tschechisch

v.r.n.l.: Uwe Staab (Bürgermeister Stadt Eibenstock) und Roland Grahsberger (Dolmetscher)

(v.l.n.r.) Bürgermeister Uwe Staab, Landtagsabgeordneter Thomas Colditz, Landrat Frank Vogel und Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt, Bürgermeisterin Jitka Tůmová (Pernink), Stellvertretende Bürgermeisterin Jana Rojovská (Albertamy), Projektmanager Holger Pansch, Heinz-Jürgen Guddat (Forschungsgruppe Postmeilensteine) und Forstbezirksleiter Stephan Schusser gaben gemeinsam die „Karlsroute“ frei

Radfahrer nehmen die Karlsroute "in Besitz"

Deutsch-tschechisches Beisammensein

Mitglieder des Traditionsvereins Ostrov mit historischen Rädern

Festplatz Hirschenstander Pass

Teilnehmer der Eröffnungsradtour in Karlovy Vary

Rede des Lead-Partners zur Eröffnung der „Karlsroute“ am 9. Mai 2015

09.05.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich heiß Sie hier auf dem Hirschenstander Pass am ehemaligen Grenzübergang „Eisernes Tor“ auf das Herzlichste willkommen. Wir haben uns heute hier eingefunden, um ein besonderes Ereignis zu feiern, was die deutsche und die tschechische Bürgerschaft  auf beiden Seiten der Grenze wieder ein Stück näher zusammenbringen soll. Vor 11 Jahren am 1. Mai 2004 standen wir schon einmal hier an dieser Stelle und haben den grünen Grenzübergang aus Anlass des Beitritts der Tschechischen Republik zur EU gefeiert. Aus diesem Anlass haben wir hier an dieser Stelle zwei Ebereschen gepflanzt, die heute ein Stückchen gewachsen sind. Insofern freue ich mich, dass wir heute ein weiteres Teil der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit mit der Eröffnung des grenzübergreifenden Radroutenprojektes „Karlsroute“ feiern können.

Ich möchte auf das Herzlichste begrüßen Herrn Staatsminister Thomas Schmidt vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Herrn Landrat Frank Vogel, die Abgeordneten des Sächsischen Landtages Thomas Colditz und Simone Lang. Ebenso begrüße ich die Bürgermeister von Nové Hamry, vom Gemeindeverband Bystřice und vom Zweckverband „Muldentalradweg“.

Im Jahr 2011 haben wir erstmals die Idee entwickelt, eine grenzübergreifende Radroute als Zeichen des Zusammenwachsens der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland zu schaffen. Der immer größer werdende touristische Austausch in der Grenzregion verlangte nun auch nach Projekten, die beide Länder miteinander verbinden bzw. vernetzen sollen, wie man heute neudeutsch zu sagen pflegt. Was kann es da besseres geben als eine Radroute, welche die Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze miteinander verbindet? Der damals noch im Bau befindliche „Mulderadweg“ lieferte die Idee dazu, auch in Richtung Tschechien zu denken.

Mithilfe eines Projektes im Rahmen der FR-Regio-Richtlinie, einem speziellen Förderprogramm für die Erstellung von regionalen Konzepten, haben wir dann das Projekt „Karlsroute“ entwickelt. Mit dieser Idee im Gepäck haben wir uns auf die Suche nach Partnern gemacht, die diese Idee mit in die Tat umsetzen. Zum einen haben wir mit dem Büro „Core-Consult“ einen erfahrenen Coach in Sachen EU-Förderung gefunden. Zum anderen stießen wir bei unseren tschechischen Nachbargemeinden Nové Hamry, Pernink, Abertamy und Potůčky auf offene Ohren. Der Begriff „Karlsroute“ war ursprünglich ein Arbeitstitel, der auf das Ziel Karlovy Vary hinweisen sollte. Im Verlauf des Projektes waren aber die historischen Aspekte mit in den Vordergrund gerückt. Die Weltoffenheit Karl IV., die Wirtschaftskraft Kursachsens und die europäische Bedeutung der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen waren sehr gute Aufhänger, um bei diesem neugierig machenden Titel zu bleiben. Nun ist es unsere Aufgabe, die Geschichte um die „Karlsroute“ zu erzählen und inhaltlich zu verdichten.

Nach ca. 6-monatiger Vorbereitungszeit stand das Gesamtkonzept. Die Planungsunterlagen waren im Vorentwurf erstellt. Es konnte dann über das EU-Förderprogramm „Ziel3“ der Förderantrag gestellt werden. Am 10.10.2012 wurde dieser bewilligt. Die Stadt Eibenstock übernahm bei diesem Projekt die Funktion des LEAD-Partners, den koordinierenden und steuernden Teil des Projektes. Sehr dankbar bin ich auch dafür, dass mit der Gemeinde Nové Hamry und dem Gemeindeverband Bystřice auch tschechische Gemeinden als Projektpartner hier mitgemacht haben. Wir werden dann noch hören, was auch auf tschechischer Seite im Rahmen dieses Programms geschehen ist. Einen kleinen Wermutstropfen in der Bewilligungsphase gab es bei der Prüfung der Oberfinanzdirektion. Dort wurde die Radbrücke an der B 283 herausgestrichen. Damit muss die Vernetzung bzw. Anbindung der Gemeinde Schönheide bzw. des Talsperrengebietes an das Radroutennetz noch etwas warten.

Insgesamt haben wir - also die deutschen und die tschechischen Partner zusammen - ca. 2,1 Millionen EUR für dieses Projekt ausgegeben. Über das Förderprogramm „Ziel3“ sind rund 1,78 Millionen EUR an Fördermitteln geflossen. Neben der Entwicklung eines einheitlichen Designs mit Logo, Schrift- und Farbgestaltung erfolgten auch investive Maßnahmen. Auf deutscher Seite gehörten dazu der Ausbau des Raddrehkreuzes Blauenthal, Teilabschnitte im Bockautal zwischen Blauenthal und Wildenthal und der nun freigegebene Radwegeabschnitt entlang der S 272 zwischen Wildenthal und Oberwildenthal. Die komplette Ausschilderung der Route einschließlich der vier Nebenrouten erfolgte ebenfalls im Rahmen dieses Projektes.

Eine Besonderheit auf deutscher Seite konnten wir darüber hinaus mit realisieren, indem wir sieben Postmeilensteine aus der königlich-sächsischen Postgeschichte restauriert und entlang der Strecken wieder errichtet haben. Es ist ja eine ausschließlich sächsische Besonderheit, dass ähnliche Steine im 18. Jahrhundert zum ersten Mal im Zuge der ersten Straßenvermessung im damaligen Kurfürstentum Sachsen aufgestellt wurden. Auf die Restauration dieser Zeitzeugen sind wir besonders stolz.

Die zweisprachige Vermarktung und Informationen zur „Karlsroute“ erfolgt über die Internetadresse www.karlsroute.eu bzw. www.karlova-stezka.eu. Hier haben wir während der gesamten Projektlaufzeit über den aktuellen Stand des Projektes informiert. In der Folgezeit soll diese Plattform dazu dienen, weiter rund um das Thema „Radtourismus“ entlang der „Karlsroute“ im deutschen und böhmischen Teil des Westerzgebirges zu informieren. Gerade in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit wollen wir mit der „Karlsroute“ auch den neuen Trends folgen und die Online-Information weiter ausbauen. Dass dies nicht immer ganz einfach ist, hängt auch damit zusammen, dass hierfür jemand benötigt wird, der dies kontinuierlich erledigt.

Ein weiterer sehr erfreulicher Aspekt beim Projekt „Karlsroute“ war die gute Zusammenarbeit aller Planer und Behörden zur Realisierung der Einzelprojekte. Als Vorsitzender des Zweckverbandes „Muldentalradweg“ war ich ja bereits gewarnt, dass die Neuerrichtung von Radwegen bzw. Radrouten nicht ganz einfach ist. Dies sollte sich auch gerade bei dem vorhin frei gegebenen Bauabschnitt Wildenthal/Oberwildenthal bewahrheiten. Mittels solider Planungen, aber auch sehr hilfreichen Hinweisen des Landratsamtes, insbesondere der Unteren Naturschutzbehörde, konnte es gelingen, das Genehmigungsverfahren in einem vertretbaren Aufwand zu halten.

Trotzdem wurden alle Beteiligten das Gefühl nicht los, ob es den Gesetzgebern wirklich bewusst ist, welche Schwierigkeiten eine Gemeinde hat, um einen 2 km langen Radweg parallel zu einer Staatsstraße zu entwickeln. Wir wollten nur einen Radweg bauen, wir wollten keine Natur zerstören noch die Lebensgrundlagen der hier lebenden Menschen aufzehren. Ich behaupte, dass der Eingriff in die Natur und Umwelt, den wir mit dem Bau dieses Radwegeabschnittes realisiert haben, geschah in einem zu vernachlässigenden Rahmen.

Deshalb muss sich unsere Gesellschaft schon fragen lassen, ob wir den Rechtsrahmen richtig gesetzt haben. Gerade in der Stadt Eibenstock, wo jeder Quadratmeter Territorium in einem Schutzgebiet liegt, muss man die ohnehin beschränkten Entwicklungsmöglichkeiten wenigstens an den Stellen nutzen, wo Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg besteht. Gerade die Errichtung von Radwegen halte ich für einen wichtigen touristischen Erfolgsfaktor, der in der deutschen Mittelgebirgslandschaft längst Pflicht ist. Erst am vergangenen Wochenende war ich im Harz unterwegs, der ja letztendlich ein Tourismuskonkurrent für uns ist. Dort hat sich auch gezeigt, wie sehr der Radtourismus zu einem Wirtschaftsfaktor geworden ist.

Wir als Gemeinden wollen nichts anderes, als diesem Trend mit einem Angebot zu folgen. Insofern hoffe ich auch bei allen Folgeprojekten, dass hier die Unterstützung der Behörden auch weiterhin so positiv gegeben ist, wie wir es hier bei der „Karlsroute“ erlebt haben. An den Gesetzgeber möchte ich den Auftrag geben, hier Erleichterungen, insbesondere für die Schaffung von touristischer Infrastruktur, in unserem Naturraum zu schaffen. Nur über einen veränderten Rechtsrahmen können langwierige und teure Genehmigungsverfahren vermieden werden. Nicht ganz unerwähnt möchte ich auch die Tatsache lassen, dass wir für den hier durchgeführten Eingriff in Natur und Umwelt Ausgleichsmaßnahmen mit einem Kostenumfang von insgesamt rund 150.000,- EUR durchführen mussten. Die damit verbundenen ca. 22.500,- EUR Eigenmittel schmerzen uns sehr.

Es sei mir im Rahmen dieser Eröffnungsveranstaltung gestattet, einen Wunsch äußern zu dürfen, der an den Tourismusverband, an die Wirtschaftsförderung Erzgebirge und an alle beteiligten Gemeinden geht. Der jetzt erreichte Erfolg der „Karlsroute“ hat uns dazu animiert, über den Ausbau dieses Projektes nachzudenken. Wir möchten gerne, dass insbesondere auf deutscher Seite von Aue nach Chemnitz eine Verlängerung der „Karlsroute“ erfolgt. Hierzu haben alle an der Strecke liegenden Gemeinden bereits eine Willenserklärung unterzeichnet. Auch auf tschechischer Seite wünsche ich mir, dass insbesondere auch der Abschnitt „Karlsbad/Nejdek“ als zukünftiger potentieller Projektpartner mit in dieses Gesamtprojekt einsteigt und auch hier Projekte in das Vorhaben einbringt.

Abschließend möchte ich noch ein paar Dankesworte loswerden. Zu allererst möchte ich mich bei unserem Projektmanager Holger Pansch und dem Büro Core-Consult bedanken. Wir alle wussten, dass EU-Förderungen eine sehr papier-, zeit- und kommunikationsintensive Arbeit sind. Ich muss gestehen, dass ich davor auch ein wenig Unbehagen hatte. Aber unser Projektmanager und das Büro haben dies hervorragend gemeistert. Sie bewiesen sowohl bei der bürokratischen Abarbeitung der Einzelmaßnahmen als auch bei der Kommunikation zwischen den Projektpartnern, insbesondere mit der tschechischen Seite, großes Geschick und Engagement. Ein weiterer Dank gilt den Planungsbüros Unger und Partner sowie Frölich und Sporbeck, die ja die nicht ganz einfachen Aufgaben in relativ kurzer Zeit meistern mussten. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei allen Baufirmen, die letztendlich die Bauvorhaben in guter Qualität und in der vorgegebenen Zeit realisiert haben.

Ein ganz besonderes Dankeschön gilt auch unseren tschechischen Partnern, den tschechischen Gemeinden, aber auch den Verwaltungsmitarbeitern und den beteiligten Projektpartnern, die anfangs sicher auch etwas skeptisch waren, aber mit denen wir im Verlaufe des Gesamtprojektes eine ausgezeichnete Zusammenarbeit gefunden haben. Ich glaube, mit Recht behaupten zu können, dass hier auch ein großes Stück Freundschaft zwischen den einzelnen Gemeinden entstanden ist. Zu guter Letzt möchte ich mich auch bei all jenen Mitarbeitern unserer Verwaltung bedanken, die das gesamte Projekt begleitet haben und die auch diesen heutigen Tag vorbereitet haben. Ich wünsche der „Karlsroute“ nun einen guten Start und dass sie möglichst schnell von den Radfreunden aus nah und fern intensiv genutzt wird.

 

Uwe Staab

Bürgermeister Stadt Eibenstock